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Geschichte der čechischen Litteratur - str. 332

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JAKUBEC, Jan. Geschichte der čechischen Litteratur. Leipzig : C.F. Amelangs Verlag, 1913. (Die Litteraturen des Ostens ; Bd. 5, Abt. 1)

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Bilder aus dem Böhmerwalde müssen den Hintergrund zu tendenziösen vaterländischen Betrachtungen abgeben; die südslawische Geschichte erscheint hier als eine schauderhafte Mischung von Blut, Begeisterung und Eisen; der cechische Kampf für das alte, gute Recht wird in diesen wild aufbrausenden Versen von einer unglaublichen Janitscharenmusik begleitet; die politischen Feinde sowie die einheimischen Andersdenkenden werden da schonungslos, ja blutdürstig behandelt; witzig und geistreich pointierte »Fabeln für Großec greifen die Lauen und Vorurteilsvollen, die Fremdsüchtigen und die Ideallosen unbarmherzig an. Jedes Gefühl, jede Stimmung, jede Reflexion wird bei Eliska Knlsnohorska aus dem eigentlichen poetischen Gebiete in das öde Bereich der Rhetorik und Deklamation hinübergetragen, und hier verschwindet sowohl die künstlerische Empfindung als auch der meditative Gedanke im Schall und Rauch eines bedenklichen Verbalismus. Diese Mängel steigern sich bei Eliska Krasnohorska allmählich, endlich hat die rationalistisch und tendenziös veranlagte Erzieherin und Kämpferin das eigene poetisches Gemüt ganz erdrückt. Nicht einmal die große litterarische Kultur dieser geschmackvollen Übersetzerin aus Byron, Hamerling, Puschkin, Mickiewicz, dieser strengen Meisterin der dogmatischen Kritik konnte ihre Begabung vor diesem Untergang retten: mehr als bei anderen Dichtern war bei Krasnohorska die mutig ergriffene Partei die Mutter von künstlerischen Niederlagen. Wie die cechische Ursage vom Mädchenkriege zu erzählen weiß, so darf die cechische Litteraturgeschichte diese dichtende Amazone nicht verschweigen. - Der jüngste dieser Gruppe, Fra n t i s e k S. Pro c h a z k a (geb. 1861), ist ein poetischer Reaktionär. In seinen auf die Dauer ungenießbaren Märchendichtungen , von denen die umfangreichste »Kral ]ecmfnek« (»Der König Gerstenkorn«, 1906) von einem engherzigen mährischen Patriotismus zeugt, bringt er ein ganz veraltetes, oft sehr dunkles Allegorienspiel vor, in dem sich nationale und ethische Tendenzen verstecken. In seinen an Ce lakovsky und Sladek anklingenden Nachahmungen der Volkslieder haftet er immer an dem Nebensächlichen, Willkürlichen, Äußerlichen der Volkspoesie; in seiner patriotischen Rhetorik und seiner persönlichen Satire tritt er für lebensunfähige Vorurteile ins Feld. -

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