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Geschichte der čechischen Litteratur - str. 322

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JAKUBEC, Jan. Geschichte der čechischen Litteratur. Leipzig : C.F. Amelangs Verlag, 1913. (Die Litteraturen des Ostens ; Bd. 5, Abt. 1)

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Von großer Bedeutung für seine Entwicklung war die Orientreise im Jahre 1874: der byronistische Naturschwärmer lernt da das Schwarze Meer und den Kaukasus, der begeisterte Panslawist das Zarenreich kennen. Schon als Student, welcher das Meer nur aus den Schilderungen Byrons und Freiligraths und aus den Erzählungen eines wackeren Matrosen her kannte, träumte Sv. Cech von Seestürmen und Schiffskatastrophen ; sein farbiger Zyklus »Boufe« (»Der Sturme, 1869) erzählt davon naiv und beredt. Nun erschließt sich dem jungen »Argonauten«, von welchem schon damals Jan Neruda das goldene Vließ der neuen Poesie erhofft hat, daß >slawische« Meer, und zum ersten Male läßt sich die cechische Dichtung, welcher bisher die Anschauung des Meeres durchaus gefehlt hat, auf Seefahrten und Stürme ein; um ein Jahr später eroberte Jaroslav Vrchlicky, der damals in Italien lebte, der cechischen Lyrik die Schönheiten des südlichen Meeres. Auf dem Kaukasus hat Sv. Cech nur spärliche Spuren der reckenhaften , von Puschkin besungenen Tscherokessen gefunden, dafür entschädigte den begeisterten Rousseauisten die bald wilde, bald erhabene Urwaldnatur , die zuerst in seinen feinen Reisefeuilletons , dann in seinen zwei idyllenmäßigen Verserzählungen verherrlicht wurde. Die ethnographisch-politischen Eindrücke seiner osteuropäischen Reise hat Sv. Cech später in einer erhabenen poetischen Utopie »Zimni noc« (»Eine Winternacht«, 1879) verdichtet. Vom Geiste seines Vaters begleitet, sieht der Dichter die ruhmvolle Auferstehung der slawischen Helden und Krieger, die je gegen die Türken gekämpft haben. Dieser geheimnisvolle Zug, zu welchem neben Peter dem Großen auch Zar Lazar, neben den serbischen und montenegrinischen Kämpfern auch Kosaken gehören, überschwemmen die ganze Balkanische Halbinsel und die südlichen Ufer des Schwarzen Meeres: endlich vereinigt sich derselbe am Hafen von Konstantinopel; die großartige Stadt der byzantischen Kaiser wird von den Slawen erobert, und in der erhabenen Kirche der "göttlichen Weisheit« feiert der panslawistische Gedanke seine Verklärung.

Jahr für Jahr erscheint dann von dem gereiften Dichter eine neue, bis ins Detail ausgeführte poetische Schöpfung. Einmal ist es eine breite, mit allerhand fein geschliffenem und üppig ziseliertem Beiwerke ausgestattete epische Komposition, wo gewöhnlich der epische Gang der Handlung unter einer allzu ausführ-

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