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Geschichte der čechischen Litteratur - str. 316

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JAKUBEC, Jan. Geschichte der čechischen Litteratur. Leipzig : C.F. Amelangs Verlag, 1913. (Die Litteraturen des Ostens ; Bd. 5, Abt. 1)

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diesen entliehenen Mitteln sind ihm mehrere bühnenfähige Komödien, die sich gern in dem Glanze der Empirezeit sonnen, und eine kühn gedachte, aber allzu schemenhafte Tragödie aus dem nordischen Kriege, ~Baron Goertz~ (1871), gelungen. Die Darsteller waren für die glänzenden Rollen, das Publikum für die elegante gesellschaftliche Atmosphäre und für das unterhaltende Intrigenspiel sehr dankbar; - das Lebenswerk Bozdechs bleibt doch nur eine gelungene Nachahmung eines unbedeutenden Vorbildes.

Der feine, dabei etwas schwerfällige Frantisek Venceslav Je f a b e k (1836-1893), ein Freund u~d Mitkämpfer von Pfleger, gab sich in seinen in Grau gehaltenen bürgerlichen Dramen mit zeitgemäßen gesellschaftlichen Problemen ab, die er in der einheimischen Spiegelung eifrig und aufmerksam betrachtete. Seine bedeutendste Tragödie, »Sluzebnik sveho pana« (» Ein treuer Diener seines Herrn~, 1871, deutsch von Weyrauther und Lorenz 1892), ist ein dramatisches Gegenstück zu Pflegers erstem sozialen Rom »Aus kleiner W elt~ und zu einigen Gedichten von R. Mayer: auch hier verträgt sich das liberale Bürgertum ganz gut mit dem gemäßigten Sozialismus; auch hier entspringt bei des aus einer versöhnlichen, humanen Tendenz; auch hier spielen patriotische Motive mit. In seinen witzigen und leicht satirischen Lustspielen ist Jefabek dagegen oft kleinlich und gar philiströs.

Das Bild der cechischen Litteratur in den sechziger und siebziger Jahren wäre jedoch unvollständig, wenn man die scharfe und zielbewußte Kritik, deren frischer Geist diese Periode erfüllte und in ihrer Entwicklung manchmal bestimmte, vergessen würde. Als Kritiker und Polemiker haben Halek und Neruda die Lebens- und Kunstideale ihrer Gegner angegriffen; kritisch und polemisch wendete sich das Jungcechentum gegen seine konservativen Widersacher; mit einer lebensfrohen, doch sehr unvollkommenen Theaterkritik begleitete der oft allzu wohlwollende Neruda alle Erscheinungen der jungen böhmischen Bühne; die kritischen Abteilungen in den Journalen jener Zeit waren fleißig redigiert; die alleinige große Revue für Wissenschaft, Politik und Litteratur, »Osveta«, widmete der Kritik eine vorzügliche Aufmerksamkeit; der »cechische Sarcey~, FranWiek Z a k r e j s (1839-1907), ein vielseitig gebildeter, witziger und

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