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Geschichte der čechischen Litteratur - str. 283

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JAKUBEC, Jan. Geschichte der čechischen Litteratur. Leipzig : C.F. Amelangs Verlag, 1913. (Die Litteraturen des Ostens ; Bd. 5, Abt. 1)

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Klassen, für die politischen Wirren; man deckt mit einer gewissen Naivität geschlechtliche Konflikte auf.

Es ist eine antiromantische und liberale Generation, und antiromantisch und liberal sind auch ihre Vorbilder: Byron neben V. Hugo, Heine und Lenau neben den politischen Lyrikern aus den vierziger Jahren, Beranger neben Petöfi, werden gelesen, gepriesen und nachgeahmt. Die jungen Dichter wollten aber keineswegs, wie es ihnen ihre konservativen Widersacher konsequent vorgeworfen haben, bei diesen fremden Mustern sklavisch verharren; sie verlangten von ihnen vielmehr nur fruchtbare Anregungen, wie sie sich zu einer neuen Auffassung der nationalen Kunst emporarbeiten könnten. Die besten von ihnen waren eifrig bestrebt, aus dem cechischen Volksgeiste mit echt künstlerischen Mitteln moderne Litteraturwerke zu schaffen, wie es auf anderen Gebieten ihren beiden großen Zeitgenossen, dem genialen Musiker Bedfich Smetana und dem ungemein originellen Zeichner und feinen Maler Josef Manes, meisterhaft gelungen war. In ihren vollendetsten Schöpfungen sind ]an Neruda und Karolina Svetla diesem Ziele sehr nahe gekommen.

Was allerdings in den meisten poetischen Produkten der neuen Schule befremden mußte, das war ihr unbeholfener, steifer, nüchterner Stil; während man sich von der überschwänglichen, verschwommenen Pathetik und dem zierlichen, süßen Idyllismus der älteren cechischen Poesie abgewendet hatte, mußte man in der trockenprosaischen Alltagssprache dafür Ersatz suchen, und so betonten diese Schriftsteller, die stets unter dem nachhaltigen Einfluß der Journalistik und des Feuilletonstils zu leiden hatten, immer das Charakteristische in der Sprache auf Kosten des Schönen. Neben Macha, dessen einzig dastehende Sprachkunst von keinem seiner Nachahmer und Schüler erreicht wurde, wirkte von den Vorgängern vielleicht nur K. ]. Erben mit seinem bezeichnenden, knappen, zusammengedrängten, scharf geschliffenen Stile; die Führer der ganzen Bewegung, Neruda und Halek, blieben auch in späteren Jahren der Erbenschen Balladistik getreu.

Zuerst traten die ,einzelnen Anhänger der neuen Richtung in einer ziemlich farblosen und neutralen Zeitschrift l>Lumfr« (1851-1864) auf, welcher, lange die einzige belletristische Zeitschrift, sich unter der gewissenhaften Leitung des feinen Kunst-

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