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Geschichte der čechischen Litteratur - str. 331

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JAKUBEC, Jan. Geschichte der čechischen Litteratur. Leipzig : C.F. Amelangs Verlag, 1913. (Die Litteraturen des Ostens ; Bd. 5, Abt. 1)

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waren es die »Kandidaten der Unsterblichkeit« aus der Prager Boheme, später der typische Prager Hausherr, Spießer und Bonvivant Matej Broucek, die er zum Mittelpunkte seiner Halbromane gewählt hat.

Die Popularität Cechs im Publikum ist bedeutend größer als sein Einfluß in der Litteratur; im ausgesprochenen Kontrast zu Vrchlicky hat er keine eigentliche Schule gegründet. Einige Dichter stehen ihm allerdings ganz nahe, indem sie auch panslawistische und national demokratische Gedichte schreiben, und indem sie die vaterländische Geschichte und Sage zum Ausgangspunkte ihrer wortreichen Meditationen machen; doch als seine unmittelbaren Schüler dürfte man sie doch nicht bezeichnen. Nur drei hierher gehörende Dichter will ich nennen, den kernigen Balladendichter Ladislav Quis, die pathetische Tendenzpoetin Eliska Krasnohorska und den poetischen Epigonen Frantisek S. Prochazka.

Der Rechtsanwalt Lad i s I a v Q u i s (geb. 1846) ist ein gründlicher Litteraturkenner, bei dem ein sorgfältiges poetischhistorisches Studium Hand in Hand mit der Dichtkunst geht. Er ist mit den altschottischen Balladen und mit Goethes Balladistik innig vertraut, auch sind die knappen, straffen und gerundeten Balladen im Volkston vielleicht sein Bestes. Er hat die beiden Meister der volkstümlichen Lyrik, seinen Landsmann Celakovsky und den russischen Burns A. V. Kolcov mit Geschmack ediert und eingeleitet und von ihnen die leichte, sangbare Grazie des Volksliedes gelernt. Er war einer der ersten, welcher in Havliceks Reimen die derbe, witzige, holzschnittartige Poesie entdeckt hat, und es gelang auch ihm in seinem humoristischen Romanzenzyklus »Hloupj Honza" (»Der dumme Hans«, 1880), diesen Ton meisterhaft zu treffen. - Die Schattenseiten der Tendenzpoesie Sv. Cechs findet man in wünschenswertester Vollständigkeit in den Dichtungen von EI i s k a Kr asn 0 h 0 r s k ä (eigentlich Eliska Pechova , geb. 1847): ein fader Liberalismus, ein vager Panslawismus, ein phrasenhaftes ]ungcechentum werden hier von einer leidenschaftlichen und aufopfernden Patriotin, einer überzeugten und sehr verdienstvollen Frauenrechtlerin mit blecherner Rhetorik, mit unbändigem Verbalismus, mit einer grellen Farben- und Bilderbuntheit verkündet; landschaftliche, oft vom mädchenhaften Zauber angehauchte

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