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Geschichte der čechischen Litteratur - str. 328

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JAKUBEC, Jan. Geschichte der čechischen Litteratur. Leipzig : C.F. Amelangs Verlag, 1913. (Die Litteraturen des Ostens ; Bd. 5, Abt. 1)

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Kleingewerbe ergriffen und in einem tragischen Idyll »Lesetinsky kovaf« (»Der Schmied von Lesetin«, 1883, deutsch nur in kleinen Bruckstücken in der Albertschen Anthologie), das trotz der Beschlagnahme äußerst populär geworden ist, diesen Konflikt poetisch verwertet und zugleich patriotisch aufgefaßt. Wie Neruda, hieß er die sozialistische Organisation der modernen Proletarier, die er schmeichelnd »Helden der Zukunft« genannt hat, willkommen.

Mehrmals hat er sich mit politischer Lyrik, wo ihm Vaclav Sole vorgearbeitet hat, an die Öffentlichkeit gewendet; immer schlägt er andere Töne an als die bei den anderen hervorragenden politischen Lyriker seiner Zeit, Jan Neruda und Josef V. Sladek. Bei diesen drängt sich das politische oder nationale Gedicht aus jener geheimnisvollen, dunklen Tiefe, wo religiöses Empfinden und dumpfes Rassenbewußtsein brüten; verhaltener Groll, herber Schmerz, beleidigter Stolz begleiten den patriotischen Messianismus Nerudas und die bodenständige Vaterlandsliebe Sladeks. Cech ist auch in der politischen Dichtung kein eigentlicher Lyriker: für verstandesmäßige Betrachtungen wählt er die glatte und wirksame Form des Couplets oder der Chanson, naheliegende Zeitfragen löst er mit großem Aufwande der Rhetorik; vor Gemeinplätzen, billigen Pointen, krassen Wiederholungen schreckt er nicht zurück; und so ist in seinen drei Sammlungen von politischen Gedichten manches bereits veraltet. In seinen» liUni pisne« (» Morgenlieden, 1887) findet er für die Bestrebungen der Jungcechen, die damals wirklich freisinnig und demokratisch waren, den poetischen Ausdruck. Dann lauscht er in seinen »Nove pisne« (»Neue Lieden, 1888) dem geheimnisvollen Weben der modernen Zeit, wo der Sozialismus die nationalen Interessen zurückzudrängen sucht. Endlich, in den »Pisne otroka« (»Lieder eines Sklaven«, 1894, deutsch von J. Koutek, Stuttgart 1897) seinem populärsten Buche, dessen nationaler Radikalismus in das durchsichtige Gewand der exotischen Allegorie verhüllt ist, erscheint er als ein zürnender und strafender Prophet des Alten Testamentes, der, aus seiner Gebirgshöhle zurückkehrend, überalnur Sklaverei, Unterwürfigkeit und Gemeinheit findet. Gleich hat man erraten, was diese grellen Schilderungen des schrecklichen Sklavenwesens in den Tropen, die mit Freiligraths Augen betrachtet werden, was diese exotischen Bilder mit Palmen und

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