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Geschichte der čechischen Litteratur - str. 327

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JAKUBEC, Jan. Geschichte der čechischen Litteratur. Leipzig : C.F. Amelangs Verlag, 1913. (Die Litteraturen des Ostens ; Bd. 5, Abt. 1)

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Zwistigkeiten ablegen; der Dichter selbst versöhnt rhetorisch in >Slavia<' (1884), einer dem Gedichte >Europa« nicht unähnlichen Allegorie, deren Handlung sich ebenfalls während der Schiffahrt eines Dampfers auf dem Meere abspielt, die Russen mit den Polen, die Serben mit den Kroaten, die russischen Nihilisten mit den idealistischen Slavjanophilen, allerdings ohne den Leser im geringsten zu überzeugen.

Waren jedoch die russischen Slavjanophilen wie Kirejevskij und die polnischen Messianisten wie Towianski oder der ältere cechische Panslawist Kollar oft Reaktionäre, ja unterwürfige Diener des staatlichen Absolutismus, ist Cech in seinem Panslawismus immer ein gesinnungstreuer Demokrat und Liberaler geblieben. Aus seiner Jugend hat er eine treue Liebe zu dem Bauernstande mitgebracht; ein anmutiges Dorfidyll an der Seite einer blondlockigen zarten Frau und im Kreise von spielenden, singenden Kindern gehörte stets zu den teuersten Träumen des einsamen Junggesellen und unzufriedenen Städters; kein Bild beschäftigte die Phantasie des klassenbewußten Nachkommen mittelböhmischer Bauern öfters als das fröhliche Schnitterfest, wo der fruchtbringende Boden mit dem Ackermann und mit der Lerche über seinem Kopfe zu jauchzen scheint. In diesem Umkreise bewegen sich alle acht Gesänge des erwähnten idyllischen Epos )Im Schatten der Linde«, welches eine sehnsüchtige Apostrophe der ländlichen Heimat eröffnet und eine begeisterte Apotheose des Landes abschließt; ähnliche Vorstellungen kehren noch in den eitlen Träumen der Revolutionäre in >Europa« und des abtrünnigen Priesters V aclav von Michalovic wieder; aber auch sie verwandeln sich bei dem Tendenz- und Problemdichter in programmatische Forderungen. So stellt Cech zu der Zeit, als in Böhmen der Ruf nach einer nationalen Aristokratie laut wurde, in seinem schlichten >Zpevnik Jana Buriana« (>Gesangbuche des Jan Burian«, 1894) den selbstbewußten Bauer hoch über den Adel; so läßt er einen seiner letzten Gedichtzyklen «Sekacic (>Die Schnitten, 1903) in ein begeistertes Lob des schlichten Landmannes und seiner Arbeit ausklingen: mit Recht rühmen sich die Agrarier in Böhmen, daß Svatopluk Cech sowie losef V. Sladek ihren Bestrebungen Ausdruck gegeben haben.

Auch hat Sv. Cech gegen den kapitalistischen Großbetrieb und gegen die Fabrikindustrie die Partei für das autochthone

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