Geschichte der čechischen Litteratur - 2. Aufl. - str. 326 | Digitální knihovna Arna Nováka
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Geschichte der čechischen Litteratur - str. 326

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JAKUBEC, Jan. Geschichte der čechischen Litteratur. Leipzig : C.F. Amelangs Verlag, 1913. (Die Litteraturen des Ostens ; Bd. 5, Abt. 1)

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allerdings sehr wirkungsvollen Tiraden hört man den modernen Demokraten, den aufgeklärten Liberalen, den zeitgemäßen Patrioten. Noch in seinen späteren Jahren kehrte Gech zu der ihm wahlverwandten Zeit des Hussitentums zurück - sie mußte übrigens auch als Staffage zu seinem humoristisch-satirischen Romanetto »Vylet pana Mateje Broucka do patnacteho stoleti« (»Ein Ausflug Herrn Matej Broucek in das 15. Jahrhundert«, 1888) herhalten - ; in einem dialogisierten, doch ganz verworrenen Epos »RohM na Sione« (1898-1899) führt er die letzten Geschicke des hussitischen Heeres vor. Gech entrollt in diesen Werken großartige lebende Bilder, und aus ihnen muß sich der Leser selbst eine ohnehin mangelhafte Handlung zusammenstellen ; ganz wundervoll stellt er die dröhnenden Bewegungen der Massen, das allmähliche Entstehen des Sturmes, das morgendliche Erwachen des Feldlagers oder der Stadt dar; das Zeitkolorit wird im ganzen richtig getroffen, doch die Personen mit ihren unendlichen Reden und vielleicht noch unendlicheren Reflexionen fallen meistens matt und leblos aus.

Cechs Eigenart darf man aber nicht in seinen historischen Epen, die zeitweilig an Hamerling erinnern, suchen: seine poetische Spezialität sind moderne, oft allegorische Verserzählungen, die auf Lord Byron zurückzuführen sind und sozialpolitische Fragen im Geiste eines liberalen Demokratismus und eines romantischen Panslawismus behandeln. Mit einem einigermaßen nebelhaften Messianismus, ähnlich wie man ihn in der russischen und polnischen Litteratur der dreißiger und vierziger Jahre findet, betrachtet Cech die Sendung der Slawen innerhalb der geschichtlichen Entwicklung Europas. Das alte, raffinierte und übersättigte Westeuropa ist in seinem Innern von einer Todeskrankheit durchfressen; eine soziale Revolution, die nicht so sehr entfernt ist, wird den siechen Riesenkörper endgültig zerschmettern - so lesen wir in Gechs düsterer und pessimistischer Allegorie »Europa" (1880), wo er seine Erlebnisse auf dem Schwarzen Meere verwertet und mit Einzelheiten aus der Geschichte der Pariser Kommune verarbeitet hat. Dann bricht nun aber der neue Morgen für die bisher mißgeachteten slawischen Völker an - hier hört man Kollars Ideen - ; doch das Slawentum ist bis heute dieser ungeheuren politischen und kulturellen Aufgabe nicht gewachsen. Zuerst müssen die Slawen ihre ewigen

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