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Geschichte der čechischen Litteratur - str. 282

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JAKUBEC, Jan. Geschichte der čechischen Litteratur. Leipzig : C.F. Amelangs Verlag, 1913. (Die Litteraturen des Ostens ; Bd. 5, Abt. 1)

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Leben und düsteres Dichten ein einheitliches Kunstwerk bilden, ist schon in den dreißiger Jahren als poetischer Revolutionär aufgetreten; doch nur wenige Neuerer, die die damalige Öffentlichkeit für litterarische Gecken hielt, wagten es, auf den Pfaden des gelästerten Sängers zu wandeln. Havlicek, der heftig den inhaltleeren Patriotismus und die sentimentale Romantik angriff, um dem bei den Russen gelernten Realismus Bahn zu brechen, fand außer seiner tapferen Mitkämpferin Bo~ena Nemcova, die ihr tief poetisches Gemüt oft in den Dienst der reali$tischen Kleinmalerei stellte, fast keinen Anklang. Einige gelehrte Forscher und Kritiker, denen die modeme Welt1itteratur nicht verschlossen blieb, beschäftigten sich liebevoll mit der zeitgenössischen Poesie der Deutschen, Franzosen und Engländer, ahmten sie in ihren steifen Versen ohne Glück nach, interpretierten sie kundig in ihren Abhandlungen; aber weil sie vereinsamt dastanden, blieben ihre Bemühungen erfolglos.

Erst als die junge Generation, deren Knabenjahre von dem grellen Lichte der politischen Revolution beleuchtet waren, mündig geworden war, versuchte man die Litteratur und durch die Mittel derselben das gesamte Leben im Geiste der modemen Anschauungen zu erneuern. Einige von den Anhängern der radikaldemokratischen Partei vom Jahre 1848 stellten sich in die ersten Reihen dieser litterarischen Jugend, die so oft und so gern die Poesie mit dem Journalismus verwechselte; blutjunge Dichter, die kaum ihre unreifen Erstlingswerke veröffentlicht hatten, wurden in der Polemik am lautesten; man befehdete leidenschaftlich und beredt die ältere konservative Litteratur, und während man entschieden den beschränkten Patriotismus verwarf, bürgerte man eifrig die jungdeutschen Vorbilder und Ideen ein. Das Programm der neuen Schule zeigt eine auffallende Ähnlichkeit mit dem Kredo des Jungen Deutschlands. Man verlangt eine lebenswahre und lebensfrohe Kunst, die mit der modemen Zeit im völligen Einklang stehe; dagegen verwirft man das anmutige Spiel der romantischen Phantasie, die auf das Leben keinen direkten Einfluß ausübt, ebenso wie die historische Dichtung, welche alle Aufmerksamkeit von der Gegenwart auf die Vergangenheit lenkt. Man begeistert' sich für tendenziöse Litteratur, die sich mit sozialen Problemen beschäftigt; man zeigt eine aufrichtige Vorliebe für das großstädtische Leben, für die arbeitenden

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