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Geschichte der čechischen Litteratur - str. 264

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JAKUBEC, Jan; NOVÁK, Arne. Geschichte der čechischen Litteratur. Leipzig : C.F. Amelangs Verlag, 1907. (Die Litteraturen des Ostens ; Bd. 5, Abt. 1)

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gr6bernden Zügen, die an unwillkürliche Karikatur und Parodie grenzen. Dabei ist seine Form oft unbeholfen und hart, sein Ausdruck dunkel und schwülstig; überhaupt ist er nie ein Vers- und Reimkünstler gewesen. ;>

Doch der Leser wird dafür durch m~a .. e poetischen Vorzüge entschädigt. Halek besals eine wunde volle Kraft der unmittelbaren, originellen Beobachtung, eine feinen Sinn fUr das Individuelle in der Natur \tnd dem Mens~enleben; er skizziert die ganze Landschaft mit ein paar leicht hingeworfenen Zügen sicher und treu; er malt eine prächtige Figur aus dem Volke mit wenigen bezeichnenden Strichen ~eines spitzen, dabei doch satten Pinsels. Seine Helden liebt und hafst er aufrichtig; die Natur betet er in einem begeisterten Enthusiasmus an; fUr die Freiheit des Individuums sowie des einzelnen Volkes, fUr die ewigen Rechte des leidenden Menschengeschlechtes, der Tradition und der Konvention gegenüber, eifert er mit einem schwärmerischen Pathos. Ein echter Sohn des liberalen Zeitalters, streitet er gegen den staatlichen Absolutismus sowie gegen den starren Dogmatismus der römischen Kirche; hingegen findet in seinen schönen Naturliedern die moderne, wissenschaftliche Lebensauffassung einen schönen, wenn auch sehr naiven Widerhall. Das Einzelne wird bei ihm immer auf Kosten der gesamten Lebenseinheit betont; so sind seine poetischen Erzählungen eine freie Reihe von anmutigen Situationen und üppigen Landschaftsschilderungen ; so bieten sei~e hochtrabenden Dramen kaum mehr ·als einzelne wirkungsvolle, Szenen; so bildet immer eine interessante, bis ins Detail ausgearbeitete Figur den Mittelpunkt der ganzen Handlung in sei~en Novellen. Auch in seiner Lyrik hebt sich immer ein eikenartiges Naturdetail , das manchmal geistreich oder witzig pc;lintiert wird, scharf von dem stimmungsvollen Hintergrund ab. In dasselbe Verhältnis zu der gesellschaftlichen Gesamtheit; stellt der Dichter seine eigenen Schicksale; ein Epigone des .Byronschen Titanismus, verlangt der selbstbewulste Poet eine l\"t1snahmestellung in der ganzen Menschheit,

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wie sie dem gotterfüllten Seher und Propheten gebührt.

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