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Geschichte der čechischen Litteratur - str. 260

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JAKUBEC, Jan; NOVÁK, Arne. Geschichte der čechischen Litteratur. Leipzig : C.F. Amelangs Verlag, 1907. (Die Litteraturen des Ostens ; Bd. 5, Abt. 1)

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Einige Versuche dieser Art wurden allerdings schon vor dem Jahre 1848 getan. Der geniale Macha, dessen trauriges Leben und düsteres Dichten ein einheitliches Kunstwerk bilden, ist schon in den dreifsiger Jahren als poetischer Revolutionär aufgetreten; doch nur wenige Neuerer, die die damalige Öffentlichkeit für litterarische Gecken hielt, wagten es, auf den Pfaden des gelästerten Sängers zu wandeln. Havlicek, der heftig den inhaltsleeren Patriotismus angriff, fand aufser seiner tapferen Mitkämpferin , Bozena Nemcova, die ihr tief poetisches Gemüt oft in den Dienst der realistischen Kleinmalerei stellte,- fast keinen Anklang. Einige gelehrte Forscher und Kritiker, denen die moderne Weltlitteratur nicht verschlossen blieb, beschäftigten sich liebevoll mit der zeitgenössischen Poesie der Deutschen, Franzosen und Engländer, ahmten sie in ihren steifen Versen ohne Glück nach, interpretierten sie kundig in ihren Abhandlungen; aber weil sie vereinsamt dastanden, blieben ihre Bemühungen erfolglos.

Erst als die junge Generation, deren Knabenjahre von dem grellen Lichte der politischen Revolution beleuchtet waren, mündig geworden war, versuchte man die Litteratur und durch die Mittel derselben das gesamte Leben im Geiste der modernen Anschauungen zu erneuern. Einige von den Anhängern der radikaldemokratischen Partei vom Jahre 1848 stellten sich in die ersten Reihen dieser litterarischen Jugend, die so oft und so gern die Poesie mit dem Journalismus verwechselte; blutjunge Dichter, die kaum ihre unreifen Erstlingswerke veröffentlicht hatten, wurden in der Polemik am lautesten; man befehdete leidenschaftlich und beredt die ältere konservative Litteratur, und während man entschieden den beschränkten Patriotismus verwarf, bürgerte man eifrig di~ jungdeutschen Vorbilder und Ideen ein. Das Programm der neuen Schule zeigt eine auffallende Ähnlichkeit mit der Credo des Jungen Deutschlands. Man verlangt eine lebenswahre und lebensfrohe Kunst, die mit der modernen Zeit im völligen Einklang stehe; dagegen verwirft man das anmutige Spiel der ro,!Dantischen Phantasie, die auf das Leben keinen direkten Einflufs ausübt, ebenso wie die historische Dichtung, welche alle Aufmerksamkeit von der Gegenwart auf die Vergangenheit lenkt. Man begeistert sich für tendenziöse Literatur, die sich mit sozialen Problemen beschäftigt; man zeigt eine auf-

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