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Der Merker. 1910, 2. Jahrgang, Heft 4. - str. 164

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Der Merker : Österreichische Zeitschrift für Musik und Theater. 1910, 2. Jahrgang, Heft 4., s. 133-180.

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und gewandten Direktors ~rantisek Rdolf Subert, der mit einem au~ergemöhnlichen Rnpassungsoermögen historische Schaustücke und bürgerliche SchauspiC1le, pathdische Bau"rntragödien und falsche Renaissancedramen, oaterländische TrauerspielC1 und seichte Komödien nebeneinander aufführte und gelegentlich auch selber schrieb; dabei murden zahlreiche überse13te Stücke, klassisch, romantisch und bürgerlich-modern, eifrig gespielt und nachgeahmt. Jn dem klassischen Repertoire feierte diC1 schöne JambenheroinC1 ~rau Otilie Sklendrood-mald ihre Triumphe, mährend das bürgerliche Salon drama diC1 besten Darsteller in dem schneidiQ~n JiH Bittner und dem elastischen Jakub Seifert besafj.

Die bciden grö~ten Dichter des tschechischen Kosmopolitismus, der Renaissancemensch Jaroslao \7rchlicky und der gotische Träumer Julius Zeyer konnten auf dieser bunt"n Bühne nicht heimisch merden; sie führten geradezu Krieg mit dem nationaltheater, das ihre Stücke teilmeise mittelmä~ig aufführte, teilmeise auch systematisch oernachlässigk Der unzeitgemlifje Romantiker Julius Zeyer mar zu stolz, um dem Publikum und dem Theater irgendmelche Zugeständnisse zu mach"n: in grollen freskoartigen Zügen zeichndeer scine schroffen und leidenschaftlichen ~iguren aus der tschechischen Heldensage, aus dem slooakischen märchen, aus der iriscllen Cegende, aus der spanischen Geschichte, das lokale und historische Kolorit oerschmähend, das allgemein menschliche herausarbeitend; ein holder Cyriker, mo man dramatische Dynamik oerlangt; ein nacherzählender Epiker, mo man lückenlose, psychologische motioierung ermartet, ein gefühlseliger Poet, mo er streng logisch Gedank"nreihen und Willensakte darstellen sollte.

Jaroslam \7rchlicky, den auch im Drama eine staunensmerte ~ruchtbarkeit auszeichnet, kannte die Perspektioe der Bühne schon besser als Zeyer und mullte auch, mie man die Gunst

. des Publikums geminnen kann, mooon er besonders in einigen historischen Custspielen, die ziemlich seicht sind, Gebrauch machte. Seine dma dreillig szenischen Werke, in melchen er geradezu alle dramatischen ~ormen berührt hatte, knüpften an den Grundgedanken seiner Dichtungen an. Er sah nämlich und darin ist er ein treu er Rnhänger \7iktor Hugos, in mythos, Religion, Sage, Cegende, Geschichte, Philosophie eine einzige Kette, die durch die hohe Jdee der Entmicklung des menschlichen Geistes organisch oereinigt mird. Des Dichters eigentliche Rufgabe erblickte er darin, die einzelnen Phasen dieser €ntmicklung so darzustellen, dall hinter dC1m zeitlich bedingten Geschehen das Rllgemeinmenschliche, das Unioersalhistorische heroorleuchte. Doch er selbst hat diese Rufgabe nur in menigen dramatischen Werken gelöst, die dadurch auch zu seiner rhapsodischen Epopöe der menscheit gehören. Hieher rechne ich auller der formstrengen Trilogie nHippodamie", die in ihrer hC1rben Schönheit in den Spuren der griechischen Tragödie mandeltsie murde auch oon dem gro~en Tondichter Zdenko ~ibich melodramatisiert - noch einige gleichfalls zyklisch geordnete Dramen aus der Premyslidenzeit: aus diesen Werken hört der Zuschauer sicherlich den ~Iügelschlag eines gro~en Dichters. Jn anderen Stücken \7rchlicky's findet man allzu flüchtige Charakteristik und allzu schematische motioierung, das nur-Theatralisch (I erdrückt das eigC1ntliche dramatisch(l Ceben und oft bringt der mortg(lmaltige Dichter nur Worte, Worte, Worte.

Gegen das Ende der achziger Jahre macht sich auf dem Prager nationaltheater und in dem tschechischen Drama eine neue, dem ekl(lktischen Kosmopolitismus entllegengesef3te Richtung geltend: der uolkstümliche Realismus beh(lrrscht die Bühne. Es märe nicht uninteressant den ersten Spur(ln dieses szenischen Wirklichkeitssinnes in den naioen Pseudodramen der patriotischen Dilettanten aus den uierziger und fünfziger Jahren nachzugehen; doch das würde uns zu weit führen. Ruch die meisten dramatischen Zustandsmaler und \7olksschilderer, melche je13t in farbensatten Szenen und ethnographisch gefärbt(ln Bild(lrn ihr(l Erinn(lrung(ln (lmporzauberten, maren keine konsequenten RealisteIl, sondern genrehafte Kleinmaler mit scharfem Sinne für drollige und seltsame ~igürchen, für eigenartige Sprechmeise, für uolkstümlichen Humor. Die meisten mullten sehr treffend ihren engeren \1olksstamm zu charakterisieren, so Stroupeznicky die süd - 164-

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